Christus dein Licht

Gedanken und Impulse zur Karwoche

Gründonnerstag

Das Pesachmahl

Mit der Feier des Palmsonntag beginnt alljährlich die Karwoche. Eine Zeit in der wir Christen uns auf das bevorstehende Osterfest vorbereiten. Je nach Region und kirchlicher Tradition steht sowohl die innere Einkehr, umrahmt von Andachten, kontemplativen Übungen, dem Fasten und der Beichte, wie auch die äußere Vorbereitung in der Gemeinde, in Haus und Hof auf dem Programm.
Wo die einen noch fleißig mit dem Frühjahrsputz beschäftigt sind, basteln, gestalten und malen die anderen bereits eifrig für das Hochfest, die Feier der Auferstehung Jesu.

Ostern ist zweifelsfrei das wichtigste Kirchenfest im Jahreskreis und scheint sich, so wir den Statistiken der Marktforscher Glauben schenken dürfen, wieder aus dem Schatten von Weihnachten zu lösen. Dies zumindest hinsichtlich des stetig steigenden Konsumverhaltens in der Osterwoche.

Selbstverständlich können und wollen wir alle die leuchtenden Augen und strahlenden Gesichter der Kinder am Ostermorgen nicht missen, wenn die Osternester nach einer aufregenden Suche entdeckt werden.
Dennoch ist Ostern und die Zeit bis dahin mehr als ein rein kommerzielles Ereignis, dessen Wertigkeit wir kaum in Geld aufwiegen könnten oder wollen.

Eingeleitet vom Palmsonntag, dem Tag an dem wir dem Einzug Jesu als Messias in Jerusalem gedenken, über den Gründonnerstag, der Feier des Abendmahls zum Anlass des Pesachfestes an dem sich die zwölf Jünger nach der Weisung Jesu versammelten und das Mahl mit ihm abhielten, bevor er noch in der gleichen Nacht verraten und an die Tempelwache ausgeliefert wurde.
Gefolgt vom Karfreitag, dem Tag der Kreuzigung und der Stunde des leiblichen Todes Jesu, der durch sein Sühneopfer, alle Schuld auf sich genommen hat.
Er, Jesus Christus ist es, der als wahrer Mensch und wahrer Gott aus dem Marterholz des Kreuzes eine unzerstörbare Brücke zwischen Himmel und Erde, zwischen Gott und dem Menschen, zwischen Gott und seiner ganzen Schöpfung errichtet hat und durch sein Hinabsteigen in den Sheol (jüd. Totenreich) auch den bereits verstorbenen Seelen den Weg der Erlösung offenbart hat.
Den Karsamstag begehen wir als Tag der stillen Betrachtung des Grabes aber auch des Wartens auf die Offenbarung des österlichen Geheimnisses, der Auferstehung Jesu Christi in der Osternacht. Schließlich der Ostersonntag, Tag der großen Freude, zu dessen Anlass wir voller Überzeugung ausrufen:

„Christus ist erstanden, wahrlich er ist auferstanden!“

Er, Christus ist Sieger über den Tod und alles Leid, eins mit dem Vater und dem Heiligen Geist, Erlöser, König und Hohepriester auf ewig.

Die Offenbarung des österlichen Geheimnisses, das Fest der Auferstehung Jesu, wirkt auf viele Christinnen und Christen bis heute wie ein alles durchdringender und die Dunkelheit überwindender Lichtstrahl, wie ein lauter, jauchzender, befreiender und lebensbejahender Aufschrei nach einer Zeit der Stille und Trauer.

Doch noch ist es nicht Ostern, noch können sich viele Menschen in diesen Tagen angesichts der aktuellen Ereignisse in Belgien, zuvor in Frankreich, angesichts des Terrors, des großen Flüchtlingselends, des Säbelrasselns und Hetzens manches Agitatoren, ein frohes Osterfest nach den Kartagen nur schwer vorstellen.
Manch einer möchte in diesen Tagen schon gar nicht mehr die Nachrichten verfolgen, um nicht schon wieder von einer sprichwörtlichen Hiobsbotschaft überrascht zu werden. Wieder andere fühlen sich auf Grund der andauernden Terrorgefahr massiv in ihrem Alltagsleben eingeschränkt.
Einige fühlen eine schwelende Wut im Bauch, da sie begreiflicher Weise nicht nachvollziehen können, warum von so wenigen Extremisten und machtversessenen Zeitgenossen, so unsagbar großes Leid über so viele Mitmenschen kommen kann.
Viele, viel zu viele sind tief erschüttert, in großer Trauer, fühlen sich angesichts des Verlustes eines Angehörigen oder Freundes wie gelähmt.

Ganz ähnlich ging es damals sicherlich auch vielen der verbliebenen Apostel und Jünger. Angst, Scham, Wut, Hilflosigkeit und Trauer stellten sich ein, als Jesus im Garten Getsemani festgenommen, später vor dem Sanhedrin, Herodes und Pilatus abgeurteilt und schließlich gefoltert und zum Tod am Kreuz verurteilt wurde.

Und wie mag es erst Maria der Mutter Jesu, Maria von Magdala, Johannes und Simon-Petrus ergangen sein, gehörten sie doch zum engsten Kreis um Jesus?
Ihr Schmerz, ihre Verzweiflung und Verwirrung über den Tod ihres geliebten Sohnes,
ihres wichtigsten Freundes, unersetzlichen Wegbegleiters und Meisters, muss unsagbar groß gewesen sein.

Jesus Christus hat das Leid freiwillig auf sich genommen. Den bitteren Kelch, bis zum Rand gefüllt mit Schuld, Hass, Verzweiflung, Angst, Schmerz, Krankheit und Tod für uns angenommen, ihn restlos geleert. Für uns ist er in den Tod gegangen und hat denselben überwunden. Er ist uns vorausgegangen um uns eine ewige Heimstatt in seines Vaters Haus zu bereiten.
Darüber hinaus legte er uns die heiligsten Gebote ans Herz:

Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Seele und all deinen Gedanken.
Dies ist das wichtigste und erste Gebot.
Ebenso wichtig ist das zweite:
Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.
An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz samt den Propheten.
Matthäus 22, 37-40

Mit dem Heiligen Geist bleibt Christus, wie er es uns zugesagt hat immer mitten unter uns, segnet, heilt, vergibt und trocknet alle Tränen.
Dies bis ans Ende aller Tage.

Christus sieht unser Leid, kennt unsere Nöte, steht uns in unserer Hilflosigkeit, Verzweiflung und unseren Ängsten bei, er macht sich unsere Bedrängnis zu eigen und überwindet mit seinem Licht alle Dunkelheit, allen Hass und das Böse.

Lassen wir uns zum Ende dieser Betrachtung zur Karwoche von den Zeilen eines Taizé – Liedes berühren und geben wir Christus und seinem Licht Platz in unserer Mitte, in unserem Leben.

Christus, dein Licht verklärt unsre Schatten,
lasse nicht zu, dass das Dunkel zu uns spricht.
Christus dein Licht erstrahlt auf der Erde,
und du sagst uns: Auch ihr seid das Licht.

Text: Augustinus
Bekannt als geistliches Lied der Gemeinschaft von Taizé (Frankreich)
„Jésus le Christ“

Amen


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